„Ich mag eher den aggressiven Style beim Fahren“

„Ich mag eher den aggressiven Style beim Fahren“

Die wahren Geschichten Münchens erzählen die Menschen auf der Straße – präsentiert in Wort und Bild von Portraits of Munich.


Den Surfern auf der Welle am Eisbach zuzusehen, macht riesig Spaß – Münchnern und Touristen aus der ganzen Welt. Man merkt richtig, wie die Zuschauer mitfiebern, wenn die Surfer die Wellenkante entlang brettern und ihre Kunststücke zeigen. Wenn Janina Zeitler auf die Welle kommt, geht oft sogar ein hörbares Raunen durch die Menge: Mädels sind einfach immer noch eher die Seltenheit. Aber Janina ist dazu auch noch jung und hat einen ganz besonderen Stil: sie steht tiefer als alle anderen auf dem Brett, bewegt sich wie eine Katze und fährt Moves und Turns, von denen andere nur träumen. Sie fährt definitiv nicht im klassischen „Mädchen-Stil“. Dieser Stil hat sie letztes Jahr sogar zur Europameisterin gemacht. Ich habe sie an der Eisbachwelle getroffen, und sie hat ein bisschen über sich erzählt.

Janina Eitler Surfen

„Mit 3 Jahren bin ich auf meinem ersten Windsurfboard gestanden – mit kleinem Segel, aber immerhin. Meine Eltern kommen beide vom Windsurfen und die Wasserverbundenheit haben sie mir schon sehr früh mitgegeben. Mit 11 Jahren hab ich mir dann von meinen Eltern ein Wellensurfboard gewünscht. Meine Mutter wollte es erst nicht kaufen, weil sie wohl dachte, dass würde schnell wieder zum Staubfänger. Aber sie hat dann recht schnell gemerkt, dass es mir sehr ernst war: ich hab gleich damit auf der Floßlände mit Freunden meine ersten Versuche gestartet habe und war dann ständig dort. Ich habe vorher schon viel Sport gemacht: beim Windsurfen und Skifahren war ich auch schon richtig gut, aber das Wellensurfen war dann endgültig mein Ding. Ich wurde auch schnell immer besser und besser und die anderen Sportarten sind nach und nach in den Hintergrund getreten.Ich erinnere mich noch gut an den Tag, als ich das erste Mal an der Welle am Eisbach stand. Ich war 14 oder 15 Jahre und habe also schon einige Zeit auf kleineren Wellen geübt – wie zum Beispiel der weiter unten am Eisbach. Aber die große Eisbach-Welle ist noch mal was ganz anderes. Ich stand wirklich fast eine Stunde da und hab mir immer wieder gedacht: uffz, ist die groß. Tja, und jetzt trainiere ich fast jeden Tag hier. Mein Traum ist wirklich wahr geworden. Nicht nur mit dem Titel der Europameisterin. Ich liebe diesen Sport einfach und es macht so unfassbar Spaß. Die Leute beim Surfen sind alle super nett.

Ich versuche eigentlich jeden Tag zu trainieren. Das klappt meistens nicht ganz, aber so um die 5 Mal pro Woche schon. Das ganze Jahr lang: in den Ferien in so schönen Locations wie Fuerte Ventura, aber unter dem Jahr eben auch auf der Eisbach-Welle oder bei Jochen Schweitzer. Und zwar bei jedem Wetter. Ich steh auch bei Minusgraden auf dem Wasser – dann halt mit einem 6mm Neopren-Anzug. Die Kälte macht mir eigentlich nicht so richtig was aus. Aber zur Zeit will ich mir das gar nicht mehr vorstellen, denn es ist gerade so schönes Wetter. Beim Surfen fahren immer noch viel mehr Jungs. Ich mag eher den aggressiven Style beim Fahren und daher passt das ganz gut. Ich kann mir bei den Jungs immer noch viel abschauen und denke, dass das auch echt wichtig ist: den anderen zukucken und von ihnen lernen. Im Winter, wenn ich voll eingepackt bin, halten mich auch viele immer wieder für einen Jungen. Inzwischen halte ich einfach mit knallpinken Neopren-Anzügen dagegen. Was mich vor allem in der Wettkampfsituation trägt, ist mein Umfeld. An dem Tag der Europameisterschaft war ich eigentlich ganz guter Dinge, dass ich gute Chance hätte. Aber als ich dann noch in den schwereren Heat bekommen habe, sind auf einmal doch Zweifel hochgekommen.

Aber meine ganzen Freunde und Familie stand da hinter mir und haben mir viel Zuspruch gegeben. Sie haben mir immer wieder gesagt, dass ich das schaffe. Ohne sie wäre ich wahrscheinlich verzweifelt, aber mit ihnen hab ich dann tatsächlich den Titel geholt! In der Surfer-Gemeinschaft gibt es gottseidank nicht das klassische Konkurrenz-Denken, sondern jeder hilft dem anderen. Nachdem ich noch eher jung bin in der Szene, ist es ganz lustig, denn einige davon, haben mich richtig „aufwachsen“ gesehen. Mareen Scholz, die Vizeeuropameisterin 2016, hat mir zum Beispiel bei meinem aller ersten Mal auf der Eisbach-Welle geholfen und mir das Brett ins Wasser gelegt. Natürlich hab ich auch eine ganze Portion Ehrgeiz. Gerade seit dem Titel zur Europameisterschaft will ich es jetzt erst recht wissen. Kurz nach dem Sieg war ich erstmal total k.o. und hab nicht an das Weiter gedacht, aber natürlich macht es Spaß, immer besser zu werden. Und ich will noch viel besser werden. Im September steht die Deutsche Meisterschaft in Frankreich an und danach wird es wohl eine Wettkampf-Reihe geben, weil dieses Jahr keine Europameisterschaft ausgetragen werden. Da will auch wieder mein Bestes geben und die Titel holen.“