„Für mich hat jeder Laden eine Botschaft“ – Stephan Alof im Interview

„Für mich hat jeder Laden eine Botschaft“ –  Stephan Alof im Interview

Die wahren Geschichten Münchens erzählen die Menschen auf der Straße – präsentiert in Wort und Bild von Portraits of Munich


Stephan Alof könnte man als einen bunten Hund in der Münchner Gastro-Szene bezeichnen: seit einigen Wochen hat er neben der Boazn „Gruam“, dem ehemaligen Striptease Club „Pigalle“, dem Cafe Maria, der Eventlocation Josef und der Gaststätte Maximilian nun noch eine zweite Alof Bäckerei in Untergiesing eröffnet. Dafür wirkt er erstaunlich bodenständig. Aber wie überlebt man denn im Haifischbecken der Münchner Gastro-Szene? Das haben wir ihn lieber selber gefragt.

Wir sitzen ja gerade in der neuen Alof Bäckerei in Untergiesing. Was machst du anders, als andere, dass du so ziemlich jeden Laden zum Laufen bringst?

Naja, ganz so ist es ja auch nicht, denn ich hatte auch schon echt harten Zeiten und bin auch schon ein paar Mal ordentlich auf die Schnauze gefallen. Aber für mich hat jeder Laden eine Botschaft – lass uns den Kiosk gegenüber als Beispiel nehmen: er hat eine eigene Botschaft und das haben alle meine Läden auch. Sie tragen meine Handschrift und die führt sich durch alle Läden durch. Und meine Läden sind beständig und bleiben auch immer so. Es gibt immer wieder Trends, aber ich muss nichts davon mitmachen. Sie müssen alle ihren eigenen Charme haben und den gleichen Charme sollen sie auch in ein paar Jahren noch haben. Ich mag das Zeitlose und Beständige.

Woher nimmst du deine Inspirationen für all das?

Ich bin ein kreativer Mensch, der sich für viel interessiert und ich bin fasziniert von vielen Dinge. Ich denke, diese Neugierde ist sehr wichtig. Wenn ich im Ausland bin, gehe ich immer erst mal in Supermärkte, weil ich sehen will, was die Leute essen. Ich gehe in Klöster und bin begeistert, wenn mir die 92 jährige Nonne zeigt, wie sie seit Jahrzehnten die Seifenlauge zubereitet. Solche Sachen treiben mich an. Ich habe eine riesige Sammlung an Rezepten und Ideen und wenn ich Zeit hätte, würde ich daraus auch noch ein Buch machen. Und ich würde sehr gerne weiter in diese Richtung gehen, mehr Produkte auszubauen: vom Kaffee, zum Olivenöl – aber das ist alles echt aufwändig.

Wenn jetzt heute jemand kommen würde, und wissen möchte, wie man in München mit einem Restaurant oder ähnlichem erfolgreich wird, was würdest du ihm als die Eigenschaften nennen, die man dazu mitbringen muss?

Neben der Neugierde denke ich, dass es sehr wichtig ist, alles mit viel Leidenschaft zu machen. Denn nur dann ist man wirklich gut. Und ich bin mir zum Beispiel auch für keine Arbeit zu schade. Ich kümmere mich um alles und packe überall mit an. (Anm. d. Red.: Das können wir nur bestätigen, denn fast genau in diesem Moment rief die andere Bäckerei bei ihm an und fragt nach den Quiche Formen.) Aber man darf sich mein Leben nicht so schillernd vorstellen. Ich werde zwar ständig überall eingeladen und viele kennen mich, aber um ehrlich zu sein ist mein Alltag eigentlich stinklangweilig. Ich bin zum Beispiel jeden Tag zwischen 9 und 10 im Bett und bin der totale Frühaufsteher. Viele Wirte sind ja oft selbst ihre besten Gäste. Wenn ich mal „feiern gehe“, dann ist das mal ein Bierchen hier oder da oder ein Weilchen mit den Nachbarn am Viktualienmarkt. Aber das war’s dann auch schon.

Du hast mit der neuen Bäckerei in Untergiesing ein spannender Schritt gewagt: aus dem Glockenbachviertel raus in ein ehemaliges „Scherbenviertel“.

Das Glockenbachviertel ist inzwischen viel zu geleckt und durchsaniert. Hier ist für mich das Leben einfach noch realer. Ich verliebe mich gerade richtig in dieses Viertel.

Jetzt hast du nicht nur einen Laden, sondern viele. Wie schaffst du das alles?

Ich bin in der Tat sehr umtriebig und manchmal macht mich das auch selber fertig. Diese Unruhe lässt mich manchmal verzweifeln, aber ich kann nicht anders. Das bin ich. Und ich habe zwei Pole, die mir helfen, immer wieder zur Ruhe zu kommen: meine Partnerschaft und die Glaube. Die geben mir die Kraft, die ich jeden Tag brauche. Erst vorhin hatte ich eine Verabredung mit einer Gruppe aus einer Behindertenschule in der St. Maximilian Kirche. Bevor die Gruppe angekommen ist, hatte ich noch 10 Minuten Zeit und diese Ruhe in der Kirche hat mich komplett runtergebracht. Da kann ich komplett auftanken.


Der Wirt aus dem Glockenbachviertel in der Kirche? Really? Das passt zusammen? Wie Stephan das für sich löst, kannst du im zweiten Teil des Interviews auf Portraits of Munich erfahren.