Die News-WG

Die News-WG

Instagram kann nur schöne Bilder, Fashion & Beauty? Ja, das stimmt schon irgendwie. Aber in letzter Zeit wird unser Feed auch immer politischer. Das liegt vor allem an so tollen Formaten wie der News-WG. Der Instagram-Kanal erklärt uns Politik und aktuelle Themen in Bildern und Stories so, dass wir sie nicht nur verstehen, sondern danach auch mitreden können. Wie die News-WG entstanden ist, wer dahinter steckt und warum Instagram als politische Plattform eben doch funktioniert, das wollten wir von Helene und Max, zwei der WG-Bewohner, genauer wissen. 


Helene und Max, was genau passiert bei der News-WG?

Helene: Wir — Max, Sophie, ich und ein kleines Team — machen einen Instagram-Kanal, auf dem jeden Tag ein politisches Thema von uns so aufbereitet wird, dass es leicht verständlich ist und Spaß macht.

Die Idee zur News-WG ist während meines Volontariats beim Bayerischen Rundfunk (BR) entstanden: Der BR wollte versuchen, mit einem digitalen Nachrichtenformat junge Leute zu erreichen. Mit meinen Kollegen*innen aus dem Volo habe ich festgestellt, dass wir unglaublich viel Zeit auf Instagram verbringen, dass es dort aber – neben viel Quatsch – nur wenige Nachrichtenangebote gibt. Und wenn, dann waren die eher sehr clean. Genau diese Lücke wollten wir mit der News-WG schließen.

Max: Von der Arbeit her unterscheiden wir uns gar nicht so sehr von anderen Nachrichtenredaktionen. Wir sind alle Journalisten, es gibt ein Redaktionsteam und wir planen unsere Themen. Die bereiten wir nur eben anders auf als beispielsweise die Tagesschau.

Ihr gebt auf Instagram ja nicht „nur“ Fakten wieder, sondern bereitet Themen auch kreativ auf — wie genau entwickelt ihr diese Ideen?

Max: Es ist tatsächlich so: je trockener das Thema, umso kreativer darf die Umsetzung sein. Da können wir wirklich bisschen rumspinnen.

Helene: Wir probieren auch einfach mal Einfälle aus, die auf den ersten Blick vielleicht etwas abwegig erscheinen. Wir diskutieren grundsätzlich viel und gerne im Team, aber bei kreativen Spinnereien sind wir uns schnell immer einig und probieren da auch gerne Neues aus. Beispielsweise haben wir den Brexit mit „May-ärgere-dich-nicht“ erklärt. Oder die Europäische Zentralbank mit einem Pimp verglichen.

News WG
Max und Helene in Aktion. (c) Johanna Schlüter

Wie kann ich mich als Follower bei der News-WG einbringen?

Helene: Das ist super easy! Schreibt uns einfach auf Instagram oder kommentiert im Feed unter ein Bild. Es wird alles gelesen, es wird alles beantwortet.

Max: Wir freuen uns auch immer über Themenvorschläge aus der Community. Und wir haben eine echt coole Diskussionskultur unter den Beiträgen. Dort kommentieren meistens Leute, die richtig Bock drauf haben, über wichtige Themen zu diskutieren.

Hatten ihr zu Beginn etwas Sorge, ob Instagram überhaupt als Plattform für politische Themen funktioniert?

Helene: Experten haben uns im Vorfeld tatsächlich eher von Instagram abgeraten. Die waren der Meinung, dass Instagram für politischen Content zu oberflächlich sei. Wir haben es aber trotzdem gemacht und auch der BR war bereit, es zu probieren. Und jetzt, ein Jahr später, haben sich neben uns viele neue Kanäle gebildet, die in eine ähnliche Richtung wie die News-WG gehen.

Max: Am Beispiel Europawahl, zu der sich gefühlt jeder Influencer geäußert hat, kann man ja auch sehen, dass Instagram nicht per se unpolitisch ist. Und im Unterschied zu Facebook ist vor allem die Diskussionskultur in diesem sozialen Netzwerk deutlich angenehmer. Bei uns wissen die Leute, dass sie unter den Bildern ihre Meinung schreiben können, ohne von anderen Usern gegrillt zu werden. Da findet eher ein toller Austausch aus. Auf Facebook findet, zumindest meiner Meinung nach, eigentlich gar kein Austausch mehr statt.

Wer genau ist eure Zielgruppe?

Helene: Grob richten wir uns an junge Leute zwischen 18 und 29 Jahren. Aber was total witzig ist: das Bedürfnis nach Verständnis hat überhaupt nichts mit dem Alter zu tun. Uns folgen auch deutlich ältere Menschen. Und wir machen das ja auch für alle, die Dinge von Grund auf verstehen wollen.

Welche Geschichten sind euch im Zusammenhang mit eurer Arbeit bei der News-WG besonders im Kopf geblieben?

Max: Ich habe mal zu sogenannten Konversionstherapien recherchiert, umgangssprachlich auch „Homo-Heilung“ genannt. Bei dieser Recherche habe ich mit jemandem gesprochen, der das selbst durchgemacht hat. Das hat mich wirklich wahnsinnig bewegt.

Helene: Bei mir ist es die Aktion, die wir vor der Europa-Wahl gestartet haben — Fit for Europe. Wir haben einen Trainingsplan erstellt und uns zusammen mit unserer Community fit für die Wahl gemacht. Die Resonanz darauf war krass, es haben so viele mitgemacht. Alle waren motiviert, wählen zu gehen. Das war ein richtig cooler Vibe.

Und zum Abschluss noch die Frage nach Kanälen, die ihr selbst gerne konsumiert?

Max: Was Politik angeht finde ich BBC Minute toll, weil hier große und komplizierte Konflikte gerafft wiedergegeben werden. Und ich mag Docupy auch sehr gerne.

Helen: Ich bin ein Fan von Eva Schulz, ich höre ihr einfach gerne zu. Und ich finde super, was Deutschlandfunk Nova im Podcast Eine Stunde History macht – da habe ich immer das Gefühl, dass ich die Zusammenhänge historischer Ereignisse tatsächlich sehr gut verstehe.

Helene und Max, danke für das Interview!


Ihr habt jetzt auch Bock auf Politik in eurem Instagram-Feed? Dann abonniert die News-WG.

Titelbild: © Max Hofstetter