Kunst im Oktober

Kunst im Oktober

In München weht ein frischer Wind — und damit meinen wir nicht nur den kühlen Oktoberwind: Maurin Dietrich, die neue Direktorin des Kunstverein, bringt mit ihrer ersten Ausstellung in München frischen Input in die machmal etwas eingestaubte Münchner Kunstszene. Außerdem gibt es Frauenpower in der Galerie Barbara Gross, Architektur für Menschen in der Pinakothek und im Espace Louis Vuitton wird die neue Ausstellung von einem international gefeierten Designer kuratiert.


Wall Sits
Laufzeit bis 17. November 2019
Kunstverein München

Nicht nur für Maurin Dietrich ist die neu eröffnete Ausstellung im Münchner Kunstverein eine Premiere, auch für die ausstellende Künstlerin Diamond Stingily (geb. 1990 in Chicago) ist “Wall Sits” die erste institutionelle Einzelausstellung in Europa. Zu sehen ist ein Überblick verschiedener Werkgruppen und einiger Neuproduktionen, die eigens für die Ausstellung konzipiert wurden.  Ihre Werke beschäftigen sich mit der Materialität und Mythologie von sozialer Klasse und Identität. Ihre persönlichen Erinnerungen kombiniert sie dabei mit dem gesellschaftlichen Gedächtnis der US-Amerikanischen Kultur, welche von systematischem Rassismus und Gewalt geprägt ist.


Andrea Büttner
Laufzeit bis 31.Oktober 2019
Barbara Gross Galerie

Im Rahmen von Various Others kooperiert die Barbara Gross Galerie mit Hollybush Gardens in London. Die beiden Galerien zeigen zeitgleich eine Einzelausstellung der Künstlerin Andrea Büttner. Zu sehen sind großformatige Holzschnitte, Farbradierungen und eine neu geschaffene Wandarbeit. Besonders interessant sind die Schnitte der Serie “Beggars”, die sich intensiv (wie der Name bereits andeutet) mit Armutsdarstellungen in der Kunst beschäftigen. Die Hände bittend ausgestreckt, nach vorne gebeugt und verhüllt – so präsentiert sich Büttners vereinfachte, wiederkehrende Figur auf der Leinwand. Das Motiv basiert auf einer Skulptur Ernst Barlachs, eine Arbeit, in der die Künstlerin Armut und Scham besonders eindrücklich erkennt.

Andrea Büttner, Beggar, 2016, Holzschnitt auf Papier, Woodcut on paper, 134 x 100 cm, Unikat/ unique, © Andrea Büttner/VG Bild-Kunst, Bonn 2019. Courtesy Barbara Gross Galerie, Munich and Hollybush Gardens, London, Photo: Wilfried Petzi

Balkrishna Doshi | Architektur für den Menschen
Vernissage 16. Oktober 2019, 19 Uhr
Laufzeit 17.Oktober 2019 – 19. Januar 2020
Architekturmuseum in der Pinakothek der Moderne 

Der indische Architekt Balkrishna V. Doshi (geb. 1927 in Pune, Indien) ist einer der einflussreichsten Pioniere modernder Architektur in Indien. Sein Schaffen wird zum Thema der neuen Ausstellung „Balkrishna Doshi. Architektur für den Menschen“, die am 16. Oktober im Architekturmuseum eröffnet wird. Seit den 1950er Jahren hat der Architekt zahlreiche Verwaltungs- und Kultureinrichtungen, sowie Siedlungen und Wohnhäuser realisieren können. Besonders bekannt wurde er durch seine herausragenden Stadtplanungen und sozialen Wohnbauprojekte. Doshis Lebenswerk wurde 2018 sogar mit der weltweit wichtigsten Architekturauszeichnung geehrt, dem Pritzker-Preis. In der Ausstellung wird den Besuchenden seine moderne Formensprache und seine Ästhetik anhand von Architekturmodellen, Plänen, Malereien, Fotografien, Filmen und Nachbauten seiner Architekturen vermittelt.

Wohnhaus vor dem Einzug der Bewohner in seiner ursprünglichen Konfiguration: »Housing for Life Insurance Corporation« (LIC), Ahmedabad, 1973 © Vastushilpa Foundation, Ahmedabad

FOTODOKS Festival | Vis-à-Vis
Festival 16. Oktober – 20. Oktober 2019
Laufzeit der Ausstellung bis 24. November 2019
Lothringer Halle 13

In der Lothringer Halle 13 findet erneut das FOTODOKS Festival statt: Ein unabhängiges Festival, welches von einem Kurator*innen-Kollektiv aus Fotograf*innen alle zwei Jahre organisiert wird. Zahlreiche Podiumsdiskussionen, Gespräche mit Kunstschaffenden und Filme laden die Besuchenden zu einem Diskurs über den Stand aktueller Dokumentarfotografie ein. Das diesjährige Gastland ist Frankreich und unter dem Thema „Vis-à-Vis“ tritt München in einen Dialog mit der wohl traditionsreichsten und vielfältigsten Kultur dokumentarischer Fotografie. In der Ausstellung, welche im Rahmen des Festivals stattfindet, sind die Arbeiten von 15 FotografInnen aus Frankreich und der D-A-CH Region zu sehen.


Coming of Age
Vernissage 11. Oktober 2019, 19 Uhr
Laufzeit bis 23. November 2019
Espace Louis Vuitton

„Coming of Age“ ist der Titel, der von Virgil Abloh kuratierten Pop-Up Show, die bereits in Los Angeles und Peking zu sehen war. Seit März 2018 ist der international erfolgreiche Designer für Louis Vuitton als künstlerischer Leiter der Herrenkollektion zuständig und zeigt nun im Espace Louis Vuitton eine eigens für München zusammengestellte Auswahl an Fotografien. Die Arbeiten konzentrieren sich auf die männliche Jugend und das Erwachsenwerden. Es wird eine diverse und komplexe Sicht auf die prägenden Jahre der Kindheit aufgezeigt. Jahre, die von Klassenzugehörigkeit, sozialer Umgebung, Subkulturen, Isolation und Freundschaften geprägt sind. In den Ausstellungsräumen wird dauerhaft ein interaktiver Workshop stattfinden.


Denkraum Deutschland
Zeitraum 28. September bis 6. Oktober 2019
Pinakothek der Moderne 

Wo sonst nur stille Gemälde an den Wänden hängen, wird es eine Woche lang laut und bunt werden. Die Pinakothek der Moderne lädt euch in ein experimentelles Denklabor ein! Vom 28. September bis zum 6. Oktober findet in einem Ausstellungssaal des Museums der “Denkraum Deutschland” als Zwischennutzung statt. Hier wird sich acht Tage lang mit der politischen Dimension von künstlerischen Arbeiten auseinandergesetzt. Dazu werden Lesungen, Performances und Gespräche organisiert. Das Museum wird damit zum Ort des gesellschaftlichen Geschehens – so sollte das sein!


Mehr Infos über aktuelle Ausstellungen, Kunst und Architektur findet ihr auch auf Julias Blog: JULIARTSTORIES