Konzerte in Zeiten von Corona

Konzerte in Zeiten von Corona

Konzerte in Zeiten einer Pandemie sind etwas völlig anderes. Das gutgelaunte, mitfiebernde Publikum weicht einem stillen Beobachter: der Kamera. „So eine Kamera hat überhaupt keinen Charme“, äußert sich Lena Haslberger (22), Gitarristin und zweite Stimme der Münchner Pop-Band „SweetLemon“ zu den sogenannten „Online-Konzerten“, die für Künstler*innen während der weltweiten Corona-Krise bei verschärften Maßnahmen die einzige Möglichkeit für Auftritte darstellen.


Durch die Corona-Pandemie haben sich Konzerte in den Online-Bereich verschoben. Wie läuft so ein Online-Konzert ab?

Das kommt darauf an, ob das Online-Konzert bei uns zu Hause oder in einer Location stattfindet. Wenn es in einer Location stattfindet, wie zum Beispiel bei „Digitalanalog“ im Gasteig (Online-Festival im Oktober), ist das im Grunde derselbe Aufwand wie bei einem Livekonzert nur ohne Publikum. Also die Instrumente zur Location zu bekommen, dann alles aufzubauen, den Sound zu checken und nach dem Konzert wieder abzubauen. Wenn es bei uns zu Hause stattfindet, was bis jetzt schon zweimal vorgekommenist, ist es eigentlich immer ganz lässig. Da Anfahrt, Aufbau und Abbau wegfallen.

Gibt es bei der verwendeten Technik Unterschiede zu der von Livekonzerten?

Der einzig große Unterschied bei Online-Konzerten ist der, dass meine Schwester (Sophie Haslberger, die andere Hälfte von SweetLemon) und ich für den Sound verantwortlich sind. In einer Location werden die Instrumente an eine große Anlage angeschlossen. Die Anlage wird vom Veranstalter gestellt und der Sound wird von den Ton-Technikern abgenommen. Bei den Online-Konzerten in unserem Wohnzimmer (die beiden Schwestern wohnen in getrennten Wohnungen direkt gegenüber voneinander) hat uns ein Freund beim Sound mit seinem Mischpult geholfen. Das Mischpult war an seinen Laptop angeschlossen und der Sound wurde so gemischt.

Wie funktioniert das mit dem Sound an einem Mischpult?

Jede Tonspur geht einzeln über einen Kanal ins Mischpult. Man kann sozusagen jedes Instrument einzeln steuern. Wenn wir als Duo auftreten, wären das dann eine Gitarre, ein Klavier und zwei Stimmen. Somit hätte man dann vier Eingänge. Diese gehen dann in das Mischpult rein. Anschließend schaut man im Mischpult, dass die Eingänge zusammen gut klingen. Auf dem Laptop wird der Sound letztendlich gemischt. Beim Online-Konzert wird er dann direkt an beispielsweise Instagram-Live (eine Funktion auf der Internetplattform „Instagram“, mit der eine Liveübertragung möglich ist) weitergeleitet.

Gab es bei den bisherigen Online-Konzerten technische Schwierigkeiten?
Ne, da hat zum Glück bis jetzt alles gut geklappt. Aber wir hatten und haben immer noch Respekt vor den Online-Konzerten. Wenn da irgendwas nicht klappt, ist das schon ziemlich blöd. Vor allem, weil wir da ja, also besonders bei uns zu Hause für das Funktionieren der ganzen Technik in der Verantwortung stehen. Das ist neu für uns. Sonst besteht mein Job darin, meine Gitarre zu bedienen und zu singen. Die Technik ist ja normalerweise der Job von den Veranstaltern.
Was fehlt dir persönlich besonders als Künstlerin in der Corona-Zeit?
Dadurch, dass man nicht mehr raus gehen kann und dass das soziale Leben von uns jungen Menschen so krass eingeschränkt wird – was in diesen Zeiten notwendig ist – fehlt mir grundsätzlich die Inspiration. Ich verstehe die Musiker nicht, die während Corona tausende Songs geschrieben haben. Ich finde Corona krass uninspirierend. Wenn ich nur zu Hause sitze und keine neuen Eindrücke bekomme, dann habe ich auch einfach keine Inspiration.
Vermissen Du den direkten Kontakt zum Publikum?
Letzten Winter im November haben wir unser zweites Album (“Lifelong Romance“) veröffentlicht. Da haben wir in der vollen Milla gespielt und das war einfach was total anderes.Online-Konzerte kann man nicht mit Live-Auftritten vergleichen. Vor einem Publikum oder vor einer Kamera zu spielen ist etwas komplett Unterschiedliches. Man geht ja auf ein Konzert, um den Vibe zu spüren, um mit dabei zu sein, um das Ganze live zu hören. Wenn man das über einen Livestream macht, ist das für mich nicht live im eigentlichen Sinne. Es ist nicht dasselbe. Da merkt man mal wieder, dass man Dinge erst richtig zu schätzen lernt, wenn sie nicht mehr da sind