Montagsgalerie zeigt: „Exit Gran Sol“ von Carolin Wenzel

Euch ist an diesem Montag eher nach Kunst zumute? Dann kommt in die Parisbar! Dort bekommt ihr die Ausstellung „Exit Gran Sol“ von Carolin Wenzel zu sehen. Vom 03.12. bis zum 09.12.2018 könnt ihr Poesie zum Ansehen erleben. Darum geht es:

„Bis kurz vor Muñico müssen Sie über einen 1350 m hohen Pass, danach folgt eine Fahrt über eine karge, steinige Hochebene; die gesamte Gegend ist sehr dünn besiedelt und Sie sollten einplanen, dass es hier über längere Zeit keine Möglichkeit gibt, Lebensmittel und Verpflegung einzukaufen“, so die Wegbeschreibung von velorouten-weltweit.ch, die mir als Orientierung diente.
Natürlich sind die Schilderungen eines Online-Reiseberichts nicht wortwörtlich zu nehmen, weil meistens Heldengeschichten.
Und so strampelte ich bei 36 Grad durch die lebensfeindliche Hügellandschaft, das Gesicht mit Staub paniert, die Achillessehnen inflamados, wie man hierzulande so schön sagt.
Ein über die Stirn herunterlaufendes Schweißrinnsal verklebte meine Augen, vernebelte meine Sinne und legte einen dekorativen Schlierenfilter über das eindrucksvolle Panorama; dazu flirrende Hitze, dampfender Schotter und ein paar gelbliche Lichtblitze…
Doch als ich den ockerfarbenen Hügel erreicht hatte, sah ich plötzlich klarer, ich strampelte über eine weitere Soft Shoulder und schließlich reichte man mir mit straffem Trizeps eine Piña Colada mit pinkem Glitzerschirmchen, dabei spannte sich des Bartenders T-Shirt ein wenig über den stählernen Brustmuskeln:
„Welcome to Discoteca Oásis- want more ice?“

Warum bewusst die Demonstration der eigenen Geringfügigkeit suchen- sogar darin schwelgen?
Verheissung.
Das Erhabene.
Fernweh.

Irgendwo auf einer Landstrasse zwischen Salamanca und Ávila im Morgengrauen vor der grossen Hitze, auf dem vollbepackten Fahrrad den Seitenstreifen entlang, auf der Suche nach Tostada und Café con leche.

Irgendwo bei Barstow am Rande der Wüste auf dem Weg nach Twentynine Palms über Fledermausland auf der Suche nach einem Motelzimmer mit Fliegenklatsche.

Irgendwo in den nächtlichen Gassen Portos zwischen Azuleijos und abblätterndem Putz, Fischgeruch und Katzengeschrei und matt in warmes Gelb getauchten Balkonen, ganz vom Wein erwärmt auf der Suche nach einem offenen Lokal, dem letzten des Abends, dem allerletzten, weil morgen und so.

Irgendwo an der georgisch-armenischen Grenze, an Hoppers Gasstation, hier steht die also, die poésie des stations-service erkunden, auf der Suche nach dem einsamen Tankwart im gut sitzenden Blaumann schließlich zum Gruppenfoto mit Marschrutka-Fahrer und Camouflage-Buben aufgestellt.

Irgendwo ausserhalb von Tanger an der Meerenge von Gibraltar, der „détroit de la mer mediteranée“, sehnsüchtiger Blick zur anderen Seite, Wäsche flatternd an der Leine im Nordwind, Salzgeschmack und billiger Fusel. Verheissung Dattelschnaps, der hat schon Eugène in die Knie gezwungen, also den Delacroix Eugène.
Es muss hier irgendwo eine Brücke geben, eine Art Hängebrücke- suche schon mal den Auslöser.

Carolin Wenzel, geb. 1982,
beschäftigt sich seit Ende ihres Studiums an der Kunstakademie München in ihren oft kulissenhaften Installationen mit der Poesie von Tankstellen und anderen Un-, und Sehnsuchts-orten und hält die Eindrücke zahlreicher Reisen in Zeichnungen und Fotografien fest.