Ehrenamtliches Engagement im Bellevue di Monaco

Ehrenamtliches Engagement im Bellevue di Monaco

Stell dir vor, du sitzt in der Berufsschule, die Unterrichtssprache ist Arabisch und verstehst kein Wort. Wie gut wären da Nachhilfestunden von und mit arabischen Muttersprachler*innen? Genau: richtig gut. Wer sich als deutscher Muttersprachler*in vorstellen kann, sich im Bereich Nachhilfeunterricht zu engagieren, der kann jetzt Teil des A-Teams des Bellevue di Monaco werden. Wie genau das funktioniert, das wollten wir von Ehrenamtskoordinatorin Agnes Fuchsloch wissen.


MunichMag: Agnes, du arbeitest im Bellevue di Monaco im Bereich der Ehrenamtskoordination. Bevor wir auf dieses Thema eingehen: Kannst du kurz das Bellevue di Monaco vorstellen? Wie hat sich das Projekt entwickelt, wer steht dahinter und was passiert dort?

Agnes Fuchsloch: Das Bellevue di Monaco ist eine Sozialgenossenschaft, die sich 2015 gegründet hat mit dem Ziel, mitten in der Stadt ein Wohn-, Begegnungs- und Beratungszentrum für Geflüchtete zu schaffen. Das Gründungsbündnis bestand aus Vertreter*innen der Münchner Kulturszene, der Flüchtlingsräte und von Träger*innen aus der Sozialarbeit.

Heute ist das Bellevue getragen von über 600 Genoss*innen, ein Wohnort für Menschen mit Fluchterfahrung, ein Café, in dem Beratungen zum Thema Asyl, Migration und Arbeit stattfinden und in dem sich Menschen mitten in der Stadt treffen und austauschen können. Außerdem haben wir unser Kulturhaus im Hinterhof, wo wir Menschen zusammenbringen: Bei Kulturveranstaltungen, Lesungen, Konzerten, Workshops, oder bei unserem Open House mittwochs oder dem Frauencafé jeden Dienstag. Wir sind also vor allem Treffpunkt, hier finden Geflüchtete Unterstützung, hier entstehen Netzwerke, Bekanntschaften und Freundschaften.

Wie wichtig ist ehrenamtliches Engagement für das Bellevue?

Bellevue ist ohne Freiwillige nicht denkbar. Sie haben nicht nur die Genossenschaft gegründet und die Häuser hier sprichwörtlich aufgebaut, sondern sie füllen das Bellevue mit dem Leben, das uns als Begegnungs- und Beratungszentrum ausmacht. Unser Café-Team besteht zu großen Teilen aus Freiwilligen, unsere Lern- und Hausaufgabenhilfe bietet 6 Tage die Woche Nachhilfe für (Berufs-)Schüler*innen und Deutschlernende, unsere Sprachpartner*innen sorgen dafür, dass Neumünchner*innen Netzwerke in der Stadt knüpfen und ihr Deutsch verbessern können.

Es geht um Solidarität

Das Team vom Open House ist jeden Mittwoch – ob Weihnachten oder Silvester – da, um Menschen aus München, auch aus Ankerzentren und Gemeinschaftsunterkünften, einen Raum zu bieten, in dem sie sich willkommen fühlen. Unsere Asylberater*innen sind ebenfalls Freiwillige. Sie beraten zweimal pro Woche in unserem Café. Ich könnt jetzt noch ewig so weitermachen…

Engagement ist aber nicht nur fürs Bellevue wichtig, sondern ganz generell für eine Stadtgesellschaft, die gerade jetzt zusammenhalten muss. Ohne den Teufel an die Wand malen zu wollen, aber die Ergebnisse aller vergangenen Landtagswahlen zeigen: Wir dürfen nicht aufhören damit, ein ganz klares Zeichen zu setzen und das auch zu leben. Wir sind eine solidarische Stadt, hier in München gibt es keinen Platz für Rassismus und Ausgrenzung. Und da finde ich den Begriff Ehrenamt auch manchmal viel zu sperrig. Es geht um Solidarität. Diese Solidarität leben übrigens natürlich auch Menschen, die selbst geflüchtet sind in ihrem Leben – viele von ihnen engagieren sich sehr viel für Neuankommende, den Begriff Ehrenamt verwenden die Wenigsten.

Bellevue di Monaco

Und in welchen Bereichen kann man sich bei euch einbringen?

Also ganz praktisch haben wir alle Bereiche, in denen wir Engagierte brauchen, hier zusammengefasst.

Momentan suchen wir dringend Freiwillige, die im Team Azubis unterstützen. Für viele junge Menschen mit Fluchthintergrund ist die Ausbildung eine Wahnsinnshürde. Erinnerst du dich noch daran, als du in der Schule nur Bahnhof verstanden hast und es mit jeder Unterrichtseinheit schlimmer wurde? Wenn du Glück hattest, konnten sich deine Eltern Nachhilfe leisten oder du hast bei deinen Mitschüler*innen Rat bekommen.

Werdet Teil des A-Teams!

Jetzt stell dir vor du sitzt in der Berufsschule, Unterrichtssprache Arabisch, das du gerade mal schreiben kannst. Der Lehrer haut dir die Fachbegriffe nur so um die Ohren. Um dich herum nur arabische Muttersprachler*innen und du bekommst eine 6 nach der anderen. Zuhause teilst du dir dein Zimmer mit 3 anderen Menschen, die in der gleichen Lage sind wie du. Ruhe zum Lernen oder Raum für Fragen gibt’s nicht. Vor dieser Situation stehen viele junge Geflüchtete aktuell. Aufgeben können sie nicht, denn damit riskieren sie ihre Abschiebung.

Bellevue di Monaco

An Unterstützung mangelt es an allen Ecken und Enden. Deshalb gründen wir gerade Ausbildungsteams, kurz: die A-Teams, die für die Azubis Nachhilfen organisieren, motivieren und einfach da sind, wenn’s Probleme gibt. Für interessierte Solidarische machen wir Infoabende, zum Beispiel das nächste Mal am 25. November 2019. Wir erklären dort ab 18:30 Uhr genau, was ein Engagement in unseren Ausbildungsteams bedeutet.

Braucht man dafür irgendwelche Vorkenntnisse?

Nein, wichtig ist uns nur, dass wir alle respektvoll miteinander umgehen und uns auf Augenhöhe begegnen. Alle sind herzlich willkommen, mitzumachen!

Und kann man so auch einfach mal vorbeikommen und euch kennenlernen?

Unbedingt! Jeden dritten Montag im Monat informieren wir bei einem Infoabend über unsere Sprachpartnerschaften und andere Projekte, in denen du dich einbringen kannst. Der nächste Infoabend ist am 18.11.2019 ab 18 Uhr in unserem Hinterhaus. Im Café kannst du natürlich auch jederzeit zu den Öffnungszeiten vorbeischaun und wenn du gleich dort mit anpacken willst: Einfach direkt an der Theke fragen.

Danke Agnes für das informative Gespräch.


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