Avantgardress: Qualität ist Queen

Avantgardress: Qualität ist Queen

Was tun, wenn man mit dem bestehenden Mode-Plattformen im Netz nicht zufrieden ist? Genau — selbst eine ins Leben rufen. Was als Idee erstmal einfach klingt, ist es in der Umsetzung aber nicht unbedingt. Die beiden Münchnerinnen Lena und Lisa haben diesen Schritt aber trotzdem gewagt und Avantgardress gegeründet. Auf dieser Plattform sollen kleine Labels, die Kleidung von hoher Qualität und / oder nachhaltig produzieren, ihren Platz finden. Wir wollten mehr wissen und haben Lena und Lisa zu einem Interview in ihrem Showroom in Haidhausen getroffen.


Was hat euch zu dem Schritt bewegt, Avantgardress zu gründen?

Lena: Lisa und ich kennen uns über unsere gemeinsame Arbeit bei MyTheresa. Bei einem gemeinsamen Projekt haben wir uns viel über Mode unterhalten und waren beide der Meinung, dass man — vor allem auf den bekannten Online-Mode-Plattformen — immer überall nur den gleichen Einheitsbrei findet. Entweder es geht in Richtung H&M und Zara, also Fast Fashion oder gleich zu den Luxus-Marken, deren Produkte zwar qualitativ oft schon besser sind als die Fast Fashion-Teile, aber letztlich für die angebotene Qualität immer noch viel zu teuer. Dieses Entweder/Oder fanden wir total schade. Denn es gibt viele kleine, nachhaltige und qualitativ sehr hochwertige Marken, die online aber weniger präsent sind. Deswegen dachten wir uns, dass eine entsprechende Plattform geschaffen werden müsste, auf der unsere Lieblingsmarken gebündelt zu finden sind.

Lisa: Wir haben dann die Idee etwas weitergesponnen und uns mit dem Thema intensiver beschäftigt. Grundlegender Gedanke von Avantgardress war und ist, dass die Wertigkeit der Kleidung — also, dass man für sein Geld einen echten Gegenwert bekommt — der wichtigste Kern von Nachhaltigkeit ist. Wir wollen mit unserem Konzept und unserer Plattform zeigen, dass es kleine, tolle Marken abseits der großen Ketten und Luxus-Labels gibt, die hochwertige Kleidung produzieren, an denen man sehr lange Freude haben kann.

Avantgardress München

Lena: Wir wollen damit gedanklich wieder etwas in Richtung unserer Großeltern zurückgehen: Also anstatt 100 Kleider im Kleiderschrank zu haben und vor lauter Auswahl gar nicht mehr zu wissen, was man anziehen soll, lieber einige wenige Kleider besitzen, die man pflegt und lange trägt. Für diese „Essential Wardrobe“ sollte man dann auch keine Kompromisse eingehen, sondern sich bei jedem Stück am besten 200 Prozent sicher sein, dass man es haben will. Denn vor allem im Sale werden wir ja oft dazu verlockt, etwas mitzunehmen, dass nicht wirklich passt. Aber auf Grund des vermeintlich guten Preises nehmen wir es dann trotzdem mit.

Bewusster Konsum vs. schnelle Schnäppchen also. Auf welche Kriterien legt ihr bei der Auswahl eurer Labels sonst noch wert?

Lena: Wir haben verschiedene Kriterien für uns definiert, beispielsweise, ob etwas aus natürlichen Materialien wie Bio-Baumwolle hergestellt wurde oder ob ein Kleidungsstück aus einem familiären Handwerksbetrieb kommt. Oder auch, ob ein Teil auf Grund seiner guten Qualität und seinem zeitlosen Schnitt Teil einer „Essential Wardrobe“ — also kuratierten Garderobe — werden sollte. Ein Label muss nicht alle unsere Kriterien erfüllen, um bei uns gelistet zu werden, aber mindestens eines davon. Unser Fokus liegt weniger darauf, nur alle Kriterien abzuhaken. Wir beschäftigen uns vielmehr damit, die Labels genauer kennenzulernen und für die Marken und das Drumherum ein Gespür zu bekommen. Nur anhand einer Kriterien-Liste zu entscheiden, ist uns zu schwarz-weiß gedacht und verhindert auch manchmal den Blick über den eigenen Tellerrand hinaus.

Lisa: Viele Marken legen schon lange Wert auf natürlich Materialen oder faire Produktion, unabhängig vom aktuellen Trend. Aber nicht alle streben eine entsprechende Zertifizierung an. Vor allem für kleinere Labels sind solche Zertifizierungen auch mit erheblichen finanziellen Aufwänden verbunden, die sich viele nicht leisten können oder auch nicht wollen. Deswegen betrachten wir die Marken eher gesamtheitlich und gehen nicht nach einer Checkliste vor. Zumal Avantgardress auch auf zwei Eckpfeilern steht: zum einen der Gedanke der Nachhaltigkeit, aber auch der modische Aspekt, den wir nicht aus dem Blick verlieren wollen.

Avantgardress München

Welche Labels sind bei euch beispielsweise aktuell zu finden?

Lena: Zum Beispiel das Jeans-Label Blanche, eine relativ neue Marke aus Dänemark, die sich erst 2017 gegründet und sich auf eine nachhaltige Jeans-Produktion spezialisiert hat. Bei der Herstellung von Jeans wird ja unglaublich viel Wasser verbraucht und Chemikalien eingesetzt, um die gewollten Färbungen der Jeans zu bekommen. Blanche versucht bei seiner Produktion beides zu reduzieren: den Wasserverbrauch und den Einsatz von Chemikalien (Anm. d. Red.: Das Label orientiert sich dabei laut eigenem Internetauftritt an der EU REACH Compliance). Außerdem bekommen diese Jeans ihre speziellen Färbungen bzw. ihre Patina durch das Waschen des Endverbrauchers und nicht durch Waschen des Herstellers.

Lisa: Auch spannend — das Label Designers Remix. Die Gründerin des Labels hat sich gefragt, was eigentlich mit den ganzen Designer-Klamotten, die nicht verkauft werden, passiert. Ihre Idee dazu: Diese Klamotten zu recyclen und neue Kreationen aus den so gewonnen Stoffen zu schaffen.

Lena: Und natürlich auch das Münchner Label Womom, das nicht nur fair, lokal und mit natürlich Materialen arbeitet, sondern dabei auch Mode mit Aussage schafft.

Avantgardress findet ja hauptsächlich online statt – aber Münchner können auch zu euch in den Showroom kommen und die Klamotten vor Ort probieren, richtig?

Lena: Ja, genau. Ursprünglich waren wir nur ein Online-Store. Nachdem wir auf Instagram aber immer wieder angeschrieben wurden, ob man nicht mal vorbeikommen kann und wir diese schönen Räumlichkeiten in einem Haidhausner Hinterhof gefunden haben, haben wir beschlossen, einen Showroom aufzumachen. Aktuell könnt ihr noch einen individuellen Termin mit uns vereinbaren, ab Herbst wird es dann feste Öffnungszeiten geben.

Wer uns unabhängig davon kennenlernen will, der kann uns die kommenden Tage beim Pop Up Store im Neni besuchen. Dort zeigen wir die neuen Herbst- / Winterkollektionen mit vielen Mänteln, Pullovern & Co. Es wird aber auch eine Sommer-Sale-Ecke geben.

Und welche (nachhaltigen) Münchner Mode-Läden findet ihr privat ganz gut?

Lena: Seitdem wir Avantgardress haben, kommen wir eigentlich nicht mehr wirklich in andere Läden. Aber in München mag ich zum Beispiel das Phasenreich und Dear Goods ganz gerne.

Lisa: Ich finde das Capricorn ganz gut, weil es einen Mix aus neuen Sachen und Vintage im Angebot hat.


Wer Avantgardress demnächste live und in Farbe erleben möchte, der hat beim anstehenden Pop up Store im 25hours Hotel die Möglichkeit dazu.